Warum braucht die Welt Kommunikationsdesign?

October 23, 2018

Versuche Kommunikationsdesign zu erklären scheitern, wenn ausschließliche die Frage beantwortet wird, was ein/e Kommuniktionsdesigner/in macht, wenn nur die Tätigkeit an und für sich beschrieben wird. Das gilt übrigens auch für die Studiengangbeschreibungen der Hochschulen.

 

Viel bedeutender für das Verständnis und für die Studien- bzw. Berufsorientierung sind jedoch die Fragen: „Warum existiert Kommunikationsdesign überhaupt?", „Welchen Beitrag leisten Kommunikationsdesigner/innen im sozialen, ökonomischen und ökologischen Gefüge?". Hier meine Antwort:

 

Die Natur bietet vor allem eins: Vielfalt. Unsere Kultur auch, denn wir leben in einer freien, multioptionalen Gesellschaft, das bedeutet, wir können wählen. Und das ist auch gut so. Wir wählen nicht nur Parteien bzw. Politiker/innen, die unsere Interessen vertreten, wir wählen unsere Lebenspartner, auch Meinungen, Themen, Ideologien, Religionen, Musikstile, Moden, aber auch Schulen, Hochschulen, Studiengänge, Berufe, Unternehmen, Urlaubsdestinationen oder Hilfsorganisationen, denen wir Spendengelder zur Verfügung stellen können, wir wählen außerdem Dienstleistungen und Produkte, die wir für unser Leben gebrauchen können oder welche, die es angenehmer machen.

 

Die Qual der Wahl.


Das Überangebot an allem weckt bei vielen Menschen Unbehagen. Keine Auswahl zu haben ist aber keine Option, denn das wäre nicht nur langweilig, es gäbe auch keinen Wettbewerb. Ohne Wettbewerb gibt es keinen Grund für Entwicklung und Verbesserung. Der Kunde wäre kein König und wird bestenfalls versorgt.

 

Gibt es Auswahl braucht der Mensch Informationen, zunächst einmal die Information, dass dieses oder jenes Angebot existiert und dann, warum diese Option besser ist als andere. Hier kommt Kommunikationsdesign ins Spiel. Das bedeutet, jemand, eine Einzelperson, ein Verein, ein Unternehmen, eine Organisation, eine Institution, welche ein Interesse daran hat ein Anliegen oder ein Angebot öffentlich zu machen, beauftragt Kommunikationsdesigner.

 

Kommunikationsdesign „ist“ viele Berufe.


Es wird nicht nur, wie viele annehmen, die Kommunikationsdesign-Berufe in der „Werbung“, beauftragt, sondern alle Disziplinen können – je nach Anliegen und Ziel des Auftraggebers –  zum Einsatz kommen: Corporate Design, Editorial Design, Interface Design, Typeface Design, Pagaging Design, Motion Design u. v. a. m. 

 

Denn die unterschiedlichen Kommunikationsdesign-Berufe bearbeiten zwar verschiedene Anwendungsbereiche haben aber im Prinzip das gleiche Ziel: Ein Anliegen bzw. ein Angebot, genauer: ein Thema, eine Meinung, einen Gedanken, eine Moral, eine Ideologie, eine Religion, eine Marke, eine Nachricht, einen Artikel, eine Zeitschrift, ein Buch, eine Geschichte, eine Sendung, eine Bitte, einen Wunsch, eine Ausbildungskonzept, eine Petition, einen Missstand, eine Geschäftsidee, eine Dienstleistung, ein Produkt etc. bekannt zu machen, jemandem näher zu bringen und ihm oder ihr die Auswahl bzw. die Entscheidung für oder gegen etwas sowie den Zugang zur Information zu erleichtern.

 

Alle Kommunikationsdesign-Berufe haben das gleiche Ziel: 
Wahrnehmung und Wirkung. 

 

Weil es sich, heute immer mehr denn je, um sehr, sehr, sehr viele Anliegen und Angebote handelt, die zeitgleich um begrenzte Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Interesse und damit um Zeit buhlen, ist das keine leichte Aufgabe. Aber genau das macht die Kommunikationsdesign-Berufe so interessant und wertvoll im digitalen Informations- und Medienzeitalter. Denn Zeit ist bekanntlich Geld. 


Zeit ist Geld und Aufmerksamkeit ein Wettbewerb.


Wenn Zeit knapp und die Möglichkeiten groß sind entsteht ein Problem. Dieses Problem lösen Kommunikationsdesigner/innen indem sie Wahrnehmung generieren und Zugang zu Information ermöglichen und damit Auswahl bzw. Entscheidungen erleichtern, Handlungen auslösen oder Verhalten ändern, das ist oft banal, kann aber auch sehr bedeutend sein – deshalb braucht die Welt Kommunikationsdesign.

 

Allerdings! Kommunikationsdesign, welches nicht wahrgenommen wird, das keine Wirkung erzielt, verliert im Aufmerksamkeitswettbewerb und ist wertlos. Fällt es unangenehm auf, ist Kommunikationsdesign kontraproduktiv. Es raubt Menschen kostbare Zeit, langweilt, bedrängt und/oder belästigt sie. Grund genug Kommunikationsdesign an einer guten Hochschule zu studieren. –

 

Eine Anmerkung zum Schluß.

 

Kommunikationsdesign, in welcher Art auch immer, nimmt Einfluss. Wer beeinflusst, setzt seine eigenen oder die Interessen eines Auftraggebers durch. Wer Interessen durchsetzt, trägt Verantwortung, dem sollte man sich als Kommunikationsdesigner/in bewusst sein.


Die Schere zwischen Arm und Reich wird zunehmend größer – auch in Deutschland. Hinzu kommt, der Verbrauch von natürlichen Ressourcen und dem produzierten Müll und klimaschädlichen Produktionsprozessen. 

 

Es stellt sich mehr und mehr die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit. Wie viel materielle Freiheit darf sich ein Mensch leisten, ohne mit Blick auf die Gemeinschaft, über seine Verhältnisse zu leben? Aber ist weniger wirklich mehr? Ist Verzicht die Lösung? War früher weniger besser?

 

Wenn weniger produziert wird, wird dann nicht auch weniger verkauft? Bedeutet weniger Verkäufe nicht auch weniger Einnahmen? Auch weniger Steuereinnahmen für den Staat, der mit diesem Geld unser Sozialsystem finanziert? –

 

Es ist kompliziert.


Was das alles mit Kommunikationsdesign zu tun hat? Eine ganze Menge, denn Kommunikationsdesigner/innen können nicht nur Unternehmen, Organisationen, Institutionen oder Parteien dabei helfen Menschen zu Verhaltensänderungen zu motivieren. 

 

Sie können mit ihren Ideen andere gute, aber unbekannte Ideen bekannt und relevant machen und so Menschen zum Umdenken motivieren. Sie können auf Ideen aufmerksam machen, die unsere Welt verbessern. Kommunikationsdesign kann dabei helfen deren Kraft zu entfalten, den öffentlichen und politischen Diskurs ans Laufen bringen.  

 

Und es gibt viel zu tun, denn es gibt bereits viele gute Ideen, die soziale oder ökologische Probleme lösen können, denen es an Kraft bzw. Bekanntheit, Nachvollziehbarkeit und Relevanz in der Öffentlichkeit fehlt.


>Sharing Economy zum Beispiel oder die Idee des >bedingungslosen Grundeinkommens oder das Konzept der Ökoeffektivität, auch >Cradle-to-Cradle gennant, eine Idee des deutschen Chemikers >Michael Braungart. Und das sind nur drei Beispiele von vielen.

 

 

Fazit. Kommunikationsdesign ist das Dienstleistungs-Pendant
zur >Schlüsseltechnologie

 

Wir leben in Zeiten der Digitalisierung und damit großer Veränderungen. Die Informations- und Mediengesellschaft expandiert. Aufmerksamkeit bzw. Wahrnehmung ist eine sehr wertvolle Ressource geworden.

 

Kommunikationsdesigner/innen gestalten diese Ressource. Denn Kommunikation ist heute alles, gut, böse oder nichts. Je nachdem, ob das Ziel, die beabsichtigte Wirkung, der öffentlichen Kommunikation erreicht wird. Das bedeutet: Nie war gutes, verantwortungsvolles Kommunikationsdesign so wertvoll wie heute. Gute Zeiten für gute, verantwortungsvolle Kommunikationsdesigner/innen.–

 

Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit.

 

© Prof. Richard Jung

 

The Refugee Nation 

Auftraggeber: Amnesty International

Kommunikationdesign: Ogilvy New York

 

 

 

We`re The Superhumans

Auftraggeber: Channel4

Kommunikationdesign: 4creatives

 

 

Seeders

Projektarbeit: Hochschule Niederrhein designkrefeld

Kommunikationsdesign: Diana Schmitz, Martin Stappen, Alexander Kryska

 

 

Through The Dark

Auftraggeber: Google

Kommunikationsdesign: R/GA

https://throughthedark.withgoogle.com

 

Words of Welcome

Auftraggeber: Berliner Stadtmission

Kommunikationsdesign: DDB

 

 

 

 

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload