Gestatten, Prof. Richard Jung.

Bereits als Siebenjähriger hatte ich beschlossen Grafikdesigner zu werden. Der Vater eines Grundschulfreundes von mir war freiberuflicher Grafiker und arbeitete in seinem Homeoffice.

 

Ich war beeindruckt vom großen Zeichentisch und den zahlreichen bunten Stiften und Werkzeugen für die Entwurfsarbeit, die man damals noch brauchte. „Den ganzen Tag zuhause und immer nur zeichnen, was für ein toller Beruf!“, das wollte ich auch werden. Und so ist es dann auch eher mehr als weniger gekommen.

Kunst Leistungskurs, allgemeines Abitur, Zivildienst, acht Semester Kommunikationsdesign Studium in Düsseldorf, Abschluss als Diplom Designer. 

 

Vier Wochen nach dem Kolloquium der erste Job in Hamburg bei der seinerzeit angesagtesten Kreativ-Adresse Springer & Jacoby. Zuerst als Art Assistant, dann Art Director, später Creative Director für zahlreiche bekannte Marken
(u. a. AXA, RWE, IBM, Mercedes-Benz, Lufthansa, Telekom). Außerdem zahlreiche nationale sowie internationale Preise, Auszeichnungen und schließlich Mitglied im Art Directors Club (ADC.de). 

 

Irgendwann stieß ich als Gestalter an konzeptionelle Grenzen, deshalb nutze ich die Chance als Stratege in die Marken- und Kommunikationsplanung der Agentur zu wechseln.

Ein damals in Deutschland noch recht junges und unbekanntes Berufsfeld. Das war der Grund mit sieben anderen Kolleginnen und Kollegen einen Berufsverband für Marken- und Kommunikationsstrategen (apgd.de) ins Leben zu rufen, der heute über 550 Mitglieder zählt. 

 

Nach 10 Jahren Springer & Jacoby Wechsel zu Scholz & Friends. Gründung einer Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die sich neben Neugeschäft mit der Optimierung der kreativen Prozesse und Arbeitsabläufe in einer Agentur beschäftigte. 

Kommunikation und Marken zu planen war gut, Prozesse zu optimieren auch, aber mir fehlte das, was ich mal studiert hatte, deshalb der Wechsel – ausgestattet mit strategischem Marken- und Kommunikations-Knowhow – als Executive Creative Director zurück ins Scholz & Friends Art Department.

 

Kurze Zeit später folgte die Beförderung zum Geschäftsführer Kreation. Kreative Geschäfte zu führen war jedoch weniger kreativ als ich dachte: Meetings, Geschäftsreisen, Personalfragen, Verwaltungsroutinen und Bilanzen zu dominant
und die Zeit neu zu denken zu knapp. 

 

Umso mehr freute ich mich über den Ruf als Professor für Kommunikationsdesign und Corporate Identity an die Hochschule Niederrhein, endlich ausreichend Zeit zum Denken beziehungsweise für Forschung und Lehre, die ich seit einigen Jahren sehr gerne und intensiv nutze. –