Was du über das Kommunikationsdesign Studium wissen solltest.

September 24, 2017

 

Seepferdchen. Freischwimmer. Schwimmabzeichen in Silber und Gold. Wer ins tiefe Wasser springt, ist in der Regel gut darauf vorbereitet. Wäre ja auch blöd, wenn nicht. Wer in ein Designstudium springt, hat in der Regel keine Ahnung auf was er oder sie sich einlässt. 

 

Die gute Nachricht: Es geht nicht um Leben und Tod. Aber auf die allzu leichte Schulter solltest du den Sprung in ein kreatives Studium auch nicht nehmen. Denn es geht darum, was du aus dem Studienangebot machst. Es geht um deine Zukunft. Deshalb ist es schlau, sich vorher schlauzumachen, damit du dir später nicht eingestehen musst: Hinterher ist man immer schlauer. –

 

Studieren lernen.

 

Zunächst einmal gilt es, dein Studium verstehen zu lernen. Ein Curriculum (so nennt sich an einer Hochschule der Studien- bzw. Lehrplan) nur zur Kenntnis zu nehmen und planlos Punkte zusammen zusammeln, ist kein Studium. 'Studieren' stammt aus dem lateinischen 'studere' und bedeutet, 'nach etwas streben', im Sinne von 'auf etwas hinarbeiten' oder 'abzielen'.

 

Demnach solltest du auch ein Studienziel haben. Am Besten ein Berufsziel. Kommunikationsdesigner/in zu werden reicht leider als Ziel nicht aus, denn dieses 'Feld' ist viel zu abstrakt und vor allem zu groß. 

 

Aber keine Angst, du musst nichts überstürzen, es reicht dein Ziel während der ersten drei Semester zu entwickeln, um zu wissen, wo die 'Studiengangreise' in dein kreatives Berufsleben einmal hinführen sollte. Der Vorteil: Mit einem Ziel bist du in der Lage nach dem Grundstudium auszuwählen bzw. zu entscheiden, welche Lehrangebote für dich im Projektstudium die Richtigen sind (siehe >Lecture 5).

 

Vermeide möglichst, dass du am Ende „nichts Halbes und nichts Ganzes" studiert hast und dadurch dein Berufseinstieg schwer, wenn nicht gar unmöglich wird. Zur besseren Orientierung, hier noch ein paar Wegweiser für dein KD-Studium ...

 

 

1. Das Curriculum.

 

Das Curriculum (lat. Ablauf, Zeitablauf), deutsch: Lehr- oder Studienplan, gewährleistet ein ordnungsgemäßes Studium und definiert die spezifischen Rahmenbedingungen, die Lernziele sowie -inhalte eines Studiengangs.

 

Grundsätzlich gilt: Ein Studium ist mehr als die Summe seiner Teile bzw. als Module und Exel-Tabellen. Der >Studienverlaufsplan und das sog. >Modulhandbuch sollten dir dabei helfen, dich im Studium zu orientieren. Beide sind aber leider nur bedingt zu gebrauchen, denn sie sind weder in Deinem Sinne gemacht, noch gestaltet. Es handelt sich lediglich um Beschreibungen formaljuristischer Vorgaben. 

 

Der >Studienverlaufsplan ist eine technokratische Exeltabelle, die zwar alles, was wichtig ist, enthält, aber nichts erklärt. Das >Modulhandbuch erklärt mehr, stellt jedoch keine Zusammenhänge her, denn leider nutzen dir die beschriebenen Lernergebnisse und Lehrinhalte nichts, wenn du sie nicht ein- bzw. zuordnen kannst  (siehe >Lecture 5).

 

Studienverlaufsplan und Modulhandbuch stellen das Studium komplizierter dar, als es ist. 

 

Deine Studienkolleg/inn/en zu fragen, hilft ebenfalls nur bedingt weiter. Einmal, weil leider viele falsche informelle Informationen – nach dem 'Stille-Post-Prinzip' – kursieren und zum anderen, weil ein Kommunikationsdesign Studium sehr vielfältig ist. Das bedeutet, was für deine Studienkolleg/inn/en richtig ist, kann für dich falsch sein.

 

Formaljuristische Fragen, wie zum Beispiel: „Wie viele Kurse muss ich in welchen Modulen belegen, um am Ende auf meine Kreditpunkte zu kommen?" oder „Mir fehlen zur Bacheloranmeldung Kreditpunkte, wie kann ich die nachträglich bekommen?" oder „Mir wurden Kreditpunkte für einen Kurs nicht gutgeschrieben, wie kann ich sie nachtragen lassen?" oder „Ich habe eine Prüfung verpasst/bin durchgefallen, wann bekomme ich einen Nachprüfungstermin?", beantwortet dir die >Studienverlaufsberatung oder die 'Koordinatorin Studium' im >Dekanat. 

 

Designspezifische Fragen, das sind Fragen nach Kursinhalten bzw. Fragen, die das Projektangebot und deine beruflichen Ziele betreffen, solltest du mit den Dozenten deines Vertrauens besprechen, denn – wie gesagt – weder Studienverlaufsberatung noch Studienkoordination haben die fachliche Kompetenz dir (seriös) Antworten auf deine designfachlichen Fragen zu geben. Sie sind nicht mehr und nicht weniger für das Formaljuristische zuständig.

 

 

2. Noten und Kreditpunkte.


Kredit- oder Leistungspunkte (international: Credit-Points, kurz: CP) haben paradoxerweise weniger mit Leistung bzw. Noten, sondern mehr mit dem Arbeitsaufwand  (Workload) zu tun, den ein Lehrangebot erfordert. Kredit- bzw. Leistungspunkte beschreiben die Anwesenheit- bzw. Präsenzzeit sowie die Zeit für Vor- und Nachbereitung (= Selbststudium) einer Lehrveranstaltung.

 

Ein Kreditpunkt soll laut Vorgaben der Hochschulrektorenkonferenz rund 30 Stunden Arbeitsaufwand entsprechen. Eine Hochschulstunde – auch Semesterwochenstunde, kurz: SWS genannt – wird übrigens nur mit 45 Minuten berechnet, das bedeutet: 30 SWS = 22,5 Stunden. Du kannst anhand der Anzahl der Kreditpunkte den Zeitaufwand pro Lehrveranstaltung einschätzen und dein Studium bzw. deine Arbeitszeiten entsprechend planen. Pro Semester erarbeitest du rund 30 Kreditpunkte.

 

4 Wochen Semesterferien/Jahr.

 

Übrigens, auch die vorlesungsfreie Zeit zählt zum Semester, weil du sie zum Selbststudium nutzen solltest. Wie für die meisten Arbeitnehmer/innen sieht das Kreditpunktesystem für Student/inn/en 4 Wochen Jahresurlaub vor. Unterm Strich kommst du auch als Student/in auf eine wöchentliche Arbeitszeit von 37,5 Stunden/Woche – vorausgesetzt du nutzt die Zeit wie im Studienplan vorgesehen.

 

Neben den CPs wird deine Leistung, wie in der Schule auch, mit Noten zwischen 1 und 5 bewertet. Alles, was schlechter als 4,0 geprüft wurde, gilt als nicht bestanden, kann aber wiederholt werden. Die Noten aller Lehrveranstaltungen inklusive der Bachelorarbeit werden zu einer Gesamtnote berechnet, die später auf deinem Abschlusszeugnis steht.

 

Dennoch gibt es eine Verbindung zwischen Noten und Kreditpunkten, die Noten werden entsprechend dem Workload eines Moduls gewichtet. Das bedeutet: Noten in einem Modul mit vielen Kreditpunkten haben mehr Einfluss auf deinen Notendurchschnitt im Abschlusszeugnis.

 

Neben den traditionellen Noten gibt es, nach dem sog. >European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS), eine weitere Notenskala von A bis E, die im >Diploma Supplement vermerkt wird. Die Note A bekommen die besten 10% eines Jahrgangs, E die schwächsten 10%. Die Noten und Kreditpunkte nach ECTS sollen Leistungen europaweit vergleichbar machen und den Wechsel an anderen Hochschulen erleichtern.

 

Apropos Europa.

 

Im Rahmen des sog. >Bologna-Prozesses wurde in den vergangenen Jahren das Hochschulstudium grundlegend reformiert. Studieren sollte europaweit möglich gemacht und praxisnaher, d. h. weniger akademisch werden. Letzteres vor allem, weil nur ein Bruchteil der Student/inn/en Wissenschaftler/innen werden möchten. Kritiker werfen der Reform 'Verschulung' vor, vor allem – so die Kritiker – weil den Student/inn/en Studienzeit und die Wahlfreiheit genommen wurde.

 

Früher war nichts besser.

Abgesehen davon, dass Professoren, Mitarbeiter und Studierende eines Fachbereichs, es im Rahmen der Selbstbestimmung an den Hochschulen selbst in der Hand hatten und haben, einen Studiengang zu gestalten, entspringt diese Kritik eher einer verklärten 'Bummelstudenten-Romantik' des vergangenen Jahrhunderts, denn für ein Bachelor- und ein Masterstudium steht heute mindestens die gleiche Studienzeit zur Verfügung, die damals für einen Diplomabschluss benötig wurde. Auch die angeblich früher größere Freiheit zeichnete sich, objektiv zurückblickend, eher durch Beliebigkeit und Orientierungslosigkeit aus.  

 

Kurz: Studieren ist dank des Bologna-Prozesses heute immer noch nicht perfekt, aber viel besser geworden, weil es anwendungsorientierter und damit näher an der Berufspraxis ist. Außerdem ist dein Studium heute modular. Das heißt, es ist nach dem Baukastenprinzip (auf)gebaut, welches dir ermöglicht den Studienverlauf besser zu verstehen und dein Studium individuell zusammenzustellen. Zumindest gilt das für das Kommunikationsdesign-Studium in designkrefeld.

 

 

3. Module.

 

Modularität macht einen Studiengang strukturierter, übersichtlicher und flexibler. Ein Modul besteht in der Regel aus mehreren Lehrveranstaltungen mit gemeinsamen Lernzielen und zeitlichem Aufwand.

 

Der KD-Studienverlauf in designkrefeld ist ganz einfach: Nur das Grundstudium bzw. die Lehrinhalte der Module der ersten beiden Semester sind fest vorgegeben. Diese Module bilden die Grundlage deines Studiums. Sie beinhalten die wichtigsten Kommunikationsdesign-Basics, ohne die das Haupt- bzw. Projektstudium ab dem 3. Semester nicht studierbar wäre (>Lecture 4).

 

Diese zunächst feste Struktur in deinem ersten Studienjahr gibt dir die Möglichkeit, dich in Ruhe im Fachbereich und an der Hochschule einzuleben, dich in dein Studium einzuarbeiten, deine Studienkolleg/inn/en (auch 'Kommiliton/inn/en' genannt) und Dozent/inn/en kennenzulernen sowie dich beruflich zu orientieren.

 

Die Lehrveranstaltungen in den Modulen unterscheiden sich wie folgt: Angeboten werden Lehrveranstaltungen als 'Vorlesungen' in der Regel mit große Teilnehmerzahlen. In einer Vorlesung gibt dir ein/e Dozent/in via Frontalunterricht einen Über- und Einblick in ein Thema und du schreibst mit. 'Skripte' enthalten prüfungsrelevante Inhalte und werden begleitend von den Dozenten herausgegeben. Eine Vorlesung wird mit einer Prüfung der Lehrinhalte abgeschlossen.

 

Außerdem werden 'Seminare' in kleineren Kursgrößen angeboten. In Seminaren lernst du spezielles Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die mithilfe von einfachen Aufgaben geübt werden oder es werden Referatsthemen verteilt und gehalten. In der Regel werden diese Übungen/Referate geprüft bzw. benotet. 

 

Projekte umfassen komplexe Aufgaben, dort lernst du kreative Arbeitsprozesse und Designmethoden kennen, vor allem aber lernst du wissenschaftlich, künstlerisch anwendungsbezogen, konzeptionell und oft auch teamorientiert zu arbeiten. Am Ende eines Projekt steht die Projektpräsentation. Diese wird geprüft bzw. benotet.

 

Das KD Studium in designkrefeld ist ganz einfach strukturiert: Anwendungsorientierte Projekte stehen im Zentrum deines Studiums, du lernst u. a. den kreativen Designprozess sowie Methoden. Die BA-Arbeit ist auch ein Projekt. Grundlagen machen dich im ersten Studienjahr projektfähig. Designspezifische Ergänzungen und Vertiefungen vermitteln Fertigkeiten und Fähigkeiten, die deine Projekte unterstützen. Und Zusatzqualifikationen sind Allgemeinwissen für dein späteres Berufsleben. Im 4., 5. oder 6. Semester kannst du dein Praktikum oder ein Auslandssemester absolvieren. 

 

 

Das Projektmodul.

 

Ab dem dritten Semester beginnt deine große, kreative (Wahl-) Freiheit, in dessen Zentrum zwei Projekte pro Semester stehen, die du nach deinen Zielen und Interessen wählen kannst. Jedes Projektangebot repräsentiert eine Kommunikationsdesign Anwendung bzw. ein KD-Berufsfeld: Corporate-/Branddesign; Editorialdesign; Illustration (Druckgrafik- oder Motiondesign); Interactiondesign; Fotografie; Werbung (siehe >Lecture 5).

 

Die Bezeichnung >Projekt geht auf das lateinische Wort 'proicere' (= vorauswerfen, entwerfen) zurück, dabei wird eine komplexe Aufgabe innerhalb eines bestimmten Zeitraums zielorientiert bearbeitet. Projektarbeit – und deshalb ist das Projekt zentraler Bestandteil deines KD-Studiums – löst zunehmend traditionelle, lineare Arbeitsabläufe ab.

 

Das Vertiefung- bzw. Ergänzungsmodul.

 

Diese Modulangebote flankieren die Projektangebote. Benötigst du zum Beispiel für ein Projekt eine spezielle Applikation, kannst du diese Anwendungssoftware lernen, in dem du ergänzend zur Projektlehrveranstaltung, den entsprechenden Kurs wählst. In anderen Ergänzungsangeboten kannst du zum Beispiel ein Semester lang daran arbeiten ein professionelles Portfolio zu gestalten, um den bestmöglichen Praktikums- oder Arbeitsplatz zu bekommen. 

Möchtest du deine zeichnerischen oder grafischen Fertigkeiten verbessern, schreibst du dich in entsprechende Vertiefungsangebote ein. Dort wird dir mithilfe von einfachen Übungen ein Semester lang vermittelt, in einem bestimmten Anwendungsbereich besser zu werden. 

 

Auch im Vertiefungs- bzw. Ergänzungsmodul hast du die freie Auswahl. Entscheide auch hier nach deinen Interessen und Zielen. Bist du dir nicht sicher, welche Vertiefungen oder Ergänzungen zu deinen Projekten am Besten passen, frage deinen Projekt-Prof danach. 

 

Das Zusatzqualifikationsmodul.

 

Alles was nützlich für dein späteres Berufsleben ist, aber nichts direkt mit Design zu tun hat, zum Beispiel Marketing oder Betriebswirtschaft; Rhetorik, Psychologie oder Ethik, findest du in den Modulen 'Zusatzqualifikationen'. Wähle auch hier einfach die Studienangebote, die dich interessieren und/oder die für dich nützlich sein bzw. werden können.

 

Das muss nicht nur in designkrefeld sein, du kannst auch über die Design-Fachbereichsgrenze hinaus Lehrangebote in anderen Fachbereichen belegen. Allerdings musst du dich selbst darum kümmern und auch dafür sorgen, dass dir die entsprechenden Kreditpunkte gutgeschrieben werden. Dabei hilft dir die 'Koordinatorin Studium' im >Dekanat. Gleiches gilt auch für das folgende Modul... 

 

Das Auslandsssemester- oder Fachpraktikummodul.

 

Auch hier hast du die Wahl: Fremdsprachenkenntnisse verbessern, die eigene Persönlichkeit bzw. das Selbstbewusstsein stärken oder einfach nur andere Länder und Hochschulen kennenlernen, es gibt viele Gründe für ein Studium in einem anderen Land. In diesem Modul gibt dir das Curriculum offiziell die Möglichkeit dazu. 

 

Wenn es für dich wichtiger ist, das kreative Berufsleben aus nächster Nähe kennenzulernen und/oder auszuprobieren, wie das in der Berufspraxis ankommt, was du bisher theoretisch im Studium gelernt hast, wenn du erfahren möchtest, wie das ist mit Kolleg/inn/en im Team zusammenzuarbeiten, wenn du Kontakte sammeln und dein berufliches Netzwerk erweitern möchtest, entscheidest du dich für ein Fachpraktikum.

 

 

3. Die Dozenten.

 

Ein Dozent (lat. docere: lehren, unterrichten) oder eine Dozentin ist eine Person, die an Hochschulen lehrt. Dozent ist nicht gleich Dozent. Es gibt Professoren, Fachlehrer, wissenschaftliche Mitarbeiter und Lehrbeauftragte.

 

Die Professoren.

 

'Professor', abgekürzt 'Prof.' ist ein akademischer Titel und bezeichnet einen Hochschullehrer. Allerdings ist es vor allem die Aufgabe von Professoren zu forschen, das bedeutet, Neues herauszufinden und diese neuen Erkenntnisse den Student/inn/en zu vermitteln. –

Die Arbeitszeit eines Professors beträgt i. d. R. 40 Stunden/Woche, die Lehrverpflichtung, das bedeutet, die 'Kontaktzeit' eines Universitätsprofessors (= Lehre mehr akademisch, theoretisch) mit ihren/seinen Student/inn/en in NRW beträgt 9 Semesterwochenstunden und die eines Fachhochschulprofessors 18 SWS (= Lehre mehr praxis- bzw. anwendungsorientiert). Hinzukommen die Zeiten für Vorbereitung und Nachbearbeitung der Lehre, außerdem Aufgaben der Selbstverwaltung (siehe unten: 5. 'Die Selbstverwaltung'). 

 

Professor/in zu werden ist nicht leicht, Ziel einer Hochschule ist es die Besten eines Faches für die Nachwuchsbildung zu gewinnen, deshalb durchläuft jede/r Prof-Kandidat/in an einem Designfachbereich ein langwieriges und kompliziertes >Berufungsverfahren, das dazu dient, die 'herausragende künstlerische/kreative Qualifikation' nachzuweisen. Professoren aus nichtkünstlerischen, nichtkreativen Kompetenzbereichen qualifizieren sich vor allem über eine Doktorarbeit.

 

Die Fachlehrer.

 

Fachlehrer/innen oder 'Lehrkräfte mit besonderen Aufgaben' vermitteln praktische Fertigkeiten und Kenntnisse, welche nicht die Qualifikation eines Professors erfordern.

 

Während Professoren dafür verantwortlich sind Studierende wissenschaftlich/künstlerisch auf der Höhe der Zeit auszubilden, Prozess- und Methoden-Know-how zu vermitteln sowie konzeptionelles und zielorientiertes Arbeiten, werden Fachlehrer/innen für die Lehre der fachpraktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten (im weiteren Sinn für das 'Handwerk') eingestellt. Wie zum Beispiel: Drucktechnik/DTP, Fototechnik oder vermitteln der Gestaltungssoftware (z. B. Photoshop, Indesign oder Illustrator), dementsprechend sind auch die Einstellungskriterien, dabei geht es vor allem um die handwerkliche, fachpraktische Qualifikation. 

 

Die Lehrverpflichtung von 'Lehrkräften für besondere Aufgaben' beträgt i. d. R. 20 Stunden/Woche. Darüber hinaus sind sie für die Werkstätten bzw. Labore und deren ordnungsgemäßen Betrieb verantwortlich.

 

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter.

 

An Hochschulen unterstützen bzw. assistieren wissenschaftliche Mitarbeiter/innen Professor/inn/en in Forschung und Lehre. Sie sind deshalb mit fachlichen Aufgaben betraut, die dem Kompetenzbereich des/der jeweiligen Profs entsprechen. Wissenschaftliche Mitarbeiter/innen können auch in der Lehre (z. B. Seminare/Übungen/technische Einweisungen) eingesetzt werden.

 

An Universitäten dienen diese Stellen dem Einstieg in eine wissenschaftliche Karriere hin zum/r Professor/in. Für Fachhochschulen gilt das weniger, da Fachhochschulprofessoren mindestens fünf Jahre Karriere in der Berufspraxis nachweisen müssen, davon mindestens drei Jahre außerhalb einer Hochschule.

 

Die Lehrbeauftragten.

 

Lehrbeauftragte sind die 'freien Mitarbeiter' einer Hochschule und werden auf Stundenbasis vergütet. Ursprünglicher Zweck von Lehraufträgen ist es, Dozenten aus der beruflichen Praxis zu gewinnen, um das Lehrangebot der hauptberuflichen Dozenten sinnvoll zu ergänzen und regelmäßig 'frischen Wind' aus der beruflichen Praxis in einen Studiengang zu bringen.

 

Zu oft werden jedoch Lehrbeauftragte jahrelang in Studiengängen eingesetzt um personelle Lücken zu schließen, da fest angestellte Mitarbeiter teurer und nicht kurzfristig planbar sind. Im Gegensatz zu Professoren, Fachlehrern und wiss. Mitarbeitern haben Lehrbeauftragte keine Interessenvertretung an den Hochschulen, das heißt, sie sind nicht in den Hochschulgremien vertreten (siehe unten: 'Selbstverwaltung').

 

Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche Verwaltungsmitarbeiter/innen, sog. nicht-wissenschaftliches Personal, welches sich um möglichst reibungslose Abläufe in der Institution 'Hochschule' kümmern.

 

 

4. Die Kompetenzen.


Falls du es noch nicht weißt, gilt es zu beachten: Nicht alle Professor/inn/en an Designfachbereichen sind Designer/innen. Und das ist gut so, aber man sollte sich dessen bewusst sein, denn Dozent/inn/en wurden aufgrund ihrer Fachkompetenz (die Betonung liegt auf Fach = Spezialgebiet) eingestellt und können dir auch nur das (seriös) vermitteln.

 

Deshalb informiere dich über deine Dozent/inn/en, damit du weißt mit welchen Kompetenzen du es zu tun haben wirst. Oder auch nicht. –

 

Die Idee 'Bauhaus': Künstler und Designer in produktiver Uneinigkeit.

 

Warum ist es wichtig, dass nicht nur Designer an Designhochschulen lehren? Massenproduktion auf der einen Seite (Produktdesign) und Massenmedien (Kommunikationsdesign) auf der anderen verlangten, zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, nach neuen Ausbildungskonzepten. 

 

Grundlage der Designausbildung in Deutschland ist bis heute das Konzept der legendären Kunstschule >Bauhaus: die konsequente Verbindung aller werkkünstlerischen Disziplinen Malerei, Bildhauerei, Kunstgewerbe und Handwerk.

 

Die Idee: Weg von einer Akademischen, Theoretischen, hin zu einer praxisbezogenen, künstlerischen Ausbildung. In „produktiver Uneinigkeit“ (Zitat des Bauhausmeisters Josef Albers), fanden sich erfahrene Praktiker (Handwerksmeister) und kreative Impulsgeber (Künstler) zusammen und lehrten nicht –  wie heute oft von Laien angenommen – einen einheitlichen Bauhausstil.

 

Im Gegenteil, denn aus dem Konzept der produktiven Uneinigkeit entstand dynamische Entwicklung des Designs, die bis heute anhält sowie eine große kreative Vielfalt und der Beweis, dass Stil so vielfältig sein muss, wie die Herausforderungen und Aufgaben eines Designers.


Für die Designausbildungspraxis gilt bis heute: Würden nur Praktiker die Designausbildung übernehmen, fehlt das freie, kreative, originelle, überraschende Moment, ohne das nichts Neues entstehen und Arbeits- bzw. Produktionsergebnisse rein industrielle, seelenlose, langweilige Erzeugnisse sein würden. 

 

Umgekehrt fehlt Künstlern der Sinn für die nutzenorientierte Umsetzung und für marktwirtschaftliche Gegebenheiten, ohne die kein Designer wirtschaftlich existieren kann. Der Mix macht demnach eine/n guten Designer/in und demnach ein gutes Kommunikationsdesign Studium aus. 

 

Deshalb gibt es an Designfachbereichen bis heute Lehrpersonal das Kompetenzen aus verschiedenen Design Anwendungsbereichen (z. B. Corporate Design, Editorialdesign, Interactiondesign, Werbung) und aus unterschiedlichen Disziplinen der bildenden Kunst (z. B. Malerei, Illustration, Bildhauerei, Grafik, Fotografie) in die Design(aus)bildung einbringt.

 

Design und Wissenschaftskompetenz.

 

Neben Designern und Künstlern lehren in Designstudiengängen seit den 1970er Jahren auch Kunst- und Designwissenschaftler bzw. Designtheoretiker, die i. d. R. nicht künstlerisch, kreativ ausgebildet wurden und demnach keine Gestaltungskompetenz besitzen. Solche Theoretiker hatte das Bauhaus-Lehrkonzept nicht vorgesehen, nicht zuletzt deshalb ist die Bedeutung der Designwissenschaft/-theorie für die Designausbildung umstritten.

 

Unstrittig ist die Bedeutung der Kunst- und Designgeschichte. Gestalterische Ausprägungen unter Berücksichtigung von kulturellen, politischen und soziologischen Entwicklungen zu betrachten inspiriert. Das bedeutet, Kunst- und Designgeschichte lehrt dich Vergangenes mit Heutigem zu verknüpfen, um Neues zu gestalten (siehe >Lecture 4). Auch Grundlegendes aus >Marketing, >Betriebswirtschaftslehre >Psychologie, >Ethik, >Soziologie und Anthropologie ist nützliches Zusatzwissen für Kommunikationsdesigner/innen. 

 

Design ist an und für sich theoretisch und wissenschaftlich.

 

Die Bedeutung von Designtheorie bzw. Designwissenschaften für ein Designstudium ist unklar, das liegt vor allem daran, dass die zahlreichen >Definitionsversuche von >Designtheorie bzw. >Designwissenschaft sehr diffus und widersprüchlich sind.

 

Das liegt vor allem auch daran, dass Design an und für sich wissenschaftlich und theoretisch ist, denn auch vermeintlich praktische Tätigkeiten – zeichnen, gestalten bzw. entwerfen – sind im Prinzip theoretisch, denn es geht in jedem Designprojekt um reine Gedankenspiele, es geht um Analyse von Mensch, Objekt und Subjekt, es geht es um Konzeption, es geht darum einzuordnen, Verbindungen zu schaffen und Zusammenhänge zu begreifen, es geht um Experimente, um Prototypen bzw. um Versuchsmodelle, die dem Endprodukt entsprechen und der Diskussion bzw. der kritischen Auseinandersetzung mit der späteren Nutzung dienen (siehe >Lecture 3).

 

Kurz: Es geht im Design an und für sich darum einen Sachverhalt mit nachvollziehbaren Methoden systematisch zu untersuchen und zu beschreiben, um Neues zu entdecken und zu kreieren. Nichts anderes ist und will Wissenschaft. Stellt sich die Frage, warum braucht man dann noch spezialisierte Designtheoretiker/innen und/oder Designwissenschaftler/innen, die nicht gestalten (können), sondern nur darüber reden und schreiben?

 

Auf diese Frage hat die >Designwissenschaft/-theorie bis heute keine überzeugende Antwort. Deshalb spielt Designwissenschaft und Designtheorie in der Designwirtschaft – im kreativen Berufsleben – keine Rolle und findet ausschließlich an Hochschulen statt, obwohl die wenigsten Student/inn/en Designwissenschaftler/innen werden wollen. Und das aus gutem Grund: Warum sollte man über einen kreativen Prozess theoretisieren, der per se theoretisch bzw. konzeptionell ist? Warum sollte man eine Tätigkeit akademisieren, die per se wissenschaftlich ist?  

Designfachbereiche und der akademische Minderwertigkeitskomplex.

 

Für viele Laien – auch an den Hochschulen – ist Design Handwerk und Dekor bzw. oberflächliches Verschönern (siehe >Lecture 4). Designer/innen müssen und können mit diesem Klischee genauso leben, wie Blondinen mit dem Vorurteil mangelnder Intelligenz. Aber leider scheint auch vielen Professor/inn/en an Hochschulen, selbst Designprofessor/inn/en, nicht bewußt zu sein, dass sie Akademiker sind und was sie als solche intellektuell leisten. Ein Designprojekt bzw. -produkt als Forschungsleistung anzuerkennen, erscheint vielen deshalb als dummer Gedanke.

 

An Hochschulen gilt: akademisch ist nur, was wissenschaftlich geschrieben steht. Je mehr Fremdwörter und komplizierte Phrasen desto besser. Das ist natürlich Unsinn, denn auch ein einfach formulierter, verständlicher Text kann wissenschaftlich sein. Genauso wie das Arbeitsergebnis eines Designers: ein Designprodukt.

 

Design an und für sich ist eine Wissenschaft an den Schnittstellen
von Kunst, Gesellschaft und Wirtschaft.

 

Allerdings entlarvt der Wunsch nach hochgestochenen, verschwurbelten Texten über Design einen akademischen Minderwertigkeitskomplex. Deshalb wird ein wissenschaftlicher Anstrich, eine akademische Fassade geschaffen und die nennt sich: Designwissenschaft/Designtheorie.

 

Was bedeutet das für dein Studium? 1.) Ein Designstudium ist auch ohne Designwissenschaft wissenschaftlich. 2. ) Möchtest du kein/e Designer/in werden, weil du nicht kreativ genug bist, und lieber nur über Design reden und schreiben, strebst du eine entsprechende Karriere an einer Hochschule an bzw. eine der sehr wenigen Stellen als Designtheoretiker/in, solltest du dich damit auseinandersetzen. 

 

Für alle anderen Designberufe außerhalb der Hochschulen spielt Designwissenschaft/-theorie keine Rolle, allerdings kommst du in deinem Studienverlauf – aufgrund des akademischen Design-Minderwertigkeitskomplexes – an solchen pseudowissenschaftlichen Lehrveranstaltungen nicht vorbei.

 

 

5. Die akademische Selbstverwaltung.

 

Apropos! Du bist als Student neben Professoren und anderen Mitarbeitern, ein gleich- und stimmberechtigtes Mitglied der Hochschulgemeinschaft. Gefällt dir etwas nicht in deinem Studium (z. B. das Lehrangebot) oder deinem Fachbereich (z. B. die Ausstattung) hast du die Möglichkeit, das zu ändern, denn Hochschulen bzw. Fachbereiche sind demokratisch organisiert und unabhängig, das bedeutet, das Personal verwaltet und organisiert sich selbst.

 

Jede Interessengruppe, das sind Professor/inn/en, wissenschaftliche Mitarbeiter/innen, nicht wissenschaftliche Mitarbeiter/innen und Student/inn/en, wählen Vertreter/innen für Ämter und Gremien der Hochschule, in denen alle Entscheidungen zur Entwicklung eines Fachbereichs bzw. zur Gestaltung und Organisation von Lehre, Studium und Forschung getroffen werden.

 

Das wichtigste Gremium ist der 'Senat', das Parlament der Hochschule. Der 'Fachbereichsrat' (kurz: FBR) ist dessen Entsprechung in einem Fachbereich, auch Fakultät genannt. In diesen Gremien können Anträge eingebracht werden, welche Lehre, Studium oder andere Bereiche betreffen. Über diese Anträge wird diskutiert und anschließend abgestimmt. Die einfache Mehrheit entscheidet. Das Präsidium bzw. das Dekanat hat kein Stimmrecht und setzen die Entscheidungen des FBR um. Welche Gremien und Ämter es im Einzelnen gibt und welche Aufgaben und Pflichten sie haben, würde hier den Rahmen sprengen. Alle Details: >HochschulgesetzNRW.

 

Unterschiedliche Interessen sorgen für Interessenskonflikte, weil es für unterschiedliche Interessen selten endgültige, harmonische Kompromisse gibt. Deshalb sind Hochschulen hochpolitische, streitbare Orte, die sich über Mehrheiten regulieren. Willst du etwas ändern, musst du dich demnach, wie in unserer demokratischen Gesellschaft auch, politisch betätigen. Entweder macht du das selbst oder du wählst deine Vertreter/innen bzw. den >Fachschaftsrat.

 

 

Zum Schluss.

 

Ein Studium ist etwas völlig anderes als Schule, es erfordert mehr Selbstständigkeit und Eigeninitiative, das a.) zu begreifen und b.) auch danach zu handeln ist die erste Herausforderung, die es für dich zu meistern gilt. Die Zeiten sind vorbei, in denen du alle Lerninhalte fertig und vollständig präsentiert bekommst, vieles musst du dir selbst erarbeiten und vertiefen. Es liegt ganz an dir, wie du dich auf Veranstaltungen und Prüfungen vorbereitest.

 

Gleiches gilt für Strukturen, Abläufe, Abgabe- und Anmeldefristen. Diese Flexibilität und Selbstständigkeit verunsichert dich vielleicht zu Beginn des Studiums, eröffnet dir aber gleichzeitig auch neue Möglichkeiten, dich zu entwickeln, aber auch für andere wichtige Dinge, wie z. B. Freizeit, Partys und Freunde. –

 

Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit.

 

©Prof. Richard Jung

 

 

 

 

 

 

 

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